• Die sozialunternehmerische Antwort auf Flucht und Asyl

    Das Thema Flucht prägt den gesellschaftlichen Diskurs, doch Vorurteile beeinflussen vielerorts die Einstellung gegenüber geflüchteten Menschen. Zahlreiche Organisationen und Initiativen möchten genau das ändern und engagieren sich für Geflüchtete, z.B. im ANKOMMER. Programm.

     

    Deutschland ist zwar schon seit Jahren ein Zielland von Asylsuchenden, jedoch entwickelt sich erst seit dem letzten Jahr langsam ein öffentliches Verständnis von Verantwortung und Engagement. Vor allem junge Menschen fühlen sich dafür verantwortlich, sich in diesem Bereich auch unternehmerisch zu engagieren.

    Auch in den Social Impact Labs werden zahlreiche Startups gefördert, die sich genau diesem Thema annehmen - jedes Startup auf seine ganz eigene, individuelle Art.

    Kiron University

    Kiron University (ehemals Wings University) möchte Geflüchteten Chancen auf eines der wertvollsten Güter überhaupt eröffnen: Bildung. Dazu werden kostenlose Online-Kurse angeboten, die weltweit zugänglich sind. Geflüchtete können sich so flexibel weiterbilden und Abschlüsse erlangen – ungeachtet ihres  Aufenthaltsortes oder Status. Damit setzt das Startup dort an, wo bisher noch große Hürden bestehen, denn Zeugnisse, Zertifikate, Aufenthaltsstatus oder Sprachkenntnisse, die für den Hochschulzugang notwendig sind, fehlen häufig. Das Team hinter der Kiron University will den großen Traum der frei zugänglichen Bildung nun mit einer großen Crowdfunding-Kampagne auf Startnext verwirklichen und mit 1,2 Millionen Euro ihr Projekt finanzieren. In drei Jahren könnten dann die ersten Kiron-Studierenden ihren Abschluss in Händen halten.

    Hotel Utopia

    In diesem Projekt, gefördert vom Social Impact Lab Berlin, sollen Geflüchtete aus- bzw. fortgebildet und ihnen so Arbeitsplätze im Hotelbereich ermöglicht werden. Auf diese Weise nehmen die vier Frauen, die hinter Hotel Utopia stehen, die Schwierigkeit des Arbeitsmarktzugangs für geflüchtete Menschen in Angriff. Gleichzeitig investieren sie in die wachsende Berliner Tourismusbranche. Dass dieses visionäre Konzept unterstützenswert ist, haben auch andere erkannt: Hotel Utopia hat kürzlich den Act for Impact Förderpreis 2015 der Social Entrepreneurship Akademie und der Vodafone Stiftung gewonnen. Anfang 2017 soll das Hotel in Berlin eröffnet werden.

    Über den Tellerrand kochen

    Bei Über den Tellerrand kochen geht es dagegen um kulinarische Kreationen – gemeinsam mit geflüchteten Menschen hat das Team ein Kochbuch geschrieben, in dem neben den Rezepten auch die Geschichten der Köche und Köchinnen, ihrer Heimat und Kultur abgebildet werden. Außerdem werden Kochkurse angeboten, in denen Geflüchtete und Asylsuchende zeigen, wie Gerichte aus ihrer Heimat zubereitet werden. So kann ein direkter Austausch zwischen geflüchteten und nicht-geflüchteten Menschen entstehen, Köche und KochkursteilnehmerInnen sich kennenlernen und letztlich auch neue Freundschaften entstehen.

    Online-Plattformen für Miteinander

    Um die Interaktionsschwelle zwischen geflüchteten und nicht-geflüchteten Menschen abzubauen, baut Interaction Leipzig eine Online-Plattformen auf, über die gemeinsam kulturelle Aktionen, Kochabende, Sporttreffs und viele weitere Aktivitäten geplant werden können. Ziel ist es, Menschen über Dinge zusammen zu bringen, die sie lieben: Kunst, Musik, Sport, Kochen, kreativ sein und aktiv werden. Dabei geht es nicht ums Helfen, sondern um das Kennenlernen, voneinander lernen und gemeinsam Spaß haben.

    WeConnect Berlin möchte über ihre Plattform wiederum Geflüchteten die Möglichkeit geben, mit Initiativen und Vereinen vor Ort in Kontakt zu treten und so wieder ihren Hobbies nachgehen zu können.

    Wichtiges Zeichen

    Startups wie die oben genannten setzen ein wichtiges Zeichen in einer Zeit, in der Fremdenfeindlichkeit den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Die aktuelle Gesetzeslage kann der vielfältigen und dringenden Bedarfssituation der Menschen  nur langsam begegnen, während Sozialunternehmertum eine Chance darstellt, sofort aktiv zu werden. Startups können schneller agieren und orientieren sich eng an den Bedürfnissen der Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind und Asyl suchen. Die Atmosphäre in Deutschland ist zurzeit angespannt. Das Land scheint zweigeteilt zwischen denen, die sich für Flüchtlinge einsetzen und solchen, die diese ablehnen – mit Worten oder sogar Taten. Soziale Unternehmen können eine Brücke schlagen in die deutsche Gesellschaft, Chancen erschaffen und signalisieren: Die Zukunft Deutschlands gestalten wir gemeinsam in der Gegenwart. Und zu dieser Zukunft gehören wir alle, schon jetzt. 

    Stipendienprogramm: Jetzt bewerben

    Aus diesem Grund fördert Social Impact zusammen mit der KfW Stiftung ab November 2015 erstmals explizit Initiativen, die sich für geflüchtete Menschen einsetzen und ihnen Arbeits- und Ausbildungschancen bieten.

    Das Stipendienprogramm nennt sich ANKOMMER. Perspektive Deutschland und richtet sich an Initiativen, die die wirtschaftliche und gesellschaftliche Teilhabe Geflüchteter und Asylsuchender mit innovativen (sozial-)unternehmerischen Ideen verbessern möchten.

    Noch bis zum 11. Oktober läuft der Bewerbungszeitraum für das Stipendium, das mit Coaching, Fachberatung, Workshops und einem Co-Working-Space die Teilnehmer unterstützt. Außerdem gibt es die Möglichkeit, während des Unterstützungszeitraums eine Kostenpauschale von bis zu 4.000 € zu erhalten. Die drei vielversprechendsten Projekte werden am Ende des Stipendiums zudem noch mit 20.000 € Startgeld prämiert.

    Jetzt online bewerben

    (Autorin: Frauke Gier)

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