• Social Start-up inemaa: Fette Partys, kleine Fußabdrücke

    Feste und Veranstaltungen sind Teil jeder Kultur. Jedoch sind zahlreiche Veranstaltungen aus sozialer und ökologischer Sicht nicht besonders durchdacht. Das Social Start-up inemaa hat ein Suchportal für die Gestaltung nachhaltiger Events aufgebaut.

     

    Im Interview sprechen die Gründerinnen über ihre Kritik an klassischer Veranstaltungsorganisation, ihre Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit und die perfekte Veranstaltung.

    Was verbirgt sich hinter dem Namen inemaa?

    Der Name setzt sich zusammen aus den Wörtern innovative event management. Hinter inemaa stehen wir: Christine, Lechi und Kristina. Unsere Vision ist es, Nachhaltigkeit von der Ausnahme zur Regel zu machen, auf Veranstaltungen und darüber hinaus!

    Wie wollt ihr diese Vision erreichen? Wie genau funktioniert inemaa?

    Auf unserem Online-Suchportal können Eventmanager und -Agenturen nach Anbietern nachhaltiger Lösungen suchen. Wir wollen nachhaltige Lösungen im Netz sichtbarer und nachhaltige Veranstaltungsorganisation einfacher machen. Außerdem begleiten wir mit unserer Beratung die Veranstalter auch gezielt bei der nachhaltigen Konzeption, Planung und Umsetzung ihrer individuellen Veranstaltung.

    Kleinere Müllberge, weniger Essen verschwenden

    Was kritisiert ihr an klassischen Veranstaltungen?

    Da gibt es einiges: Wir denken zum Beispiel an die Müllberge nach einem Musik-Festival oder die Menge an übrig gebliebenem Essen nach der Firmenfeier. Veranstaltungen jeglicher Art nehmen in einer relativ kurzen Zeit extrem viele Ressourcen, wie die Anreise der Teilnehmenden, den Strom- und Wasserverbrauch oder das Catering, in Anspruch. Ein Großteil der Veranstalter nimmt hier nur wenig Rücksicht auf das Vermeiden von Ressourcenverschwendung. Oft gilt: je mehr, desto besser. Ein bewussterer Umgang mit Lebensmitteln und Ressourcen bedeutet jedoch nicht gleich, dass die Veranstaltung weniger zu bieten hat.

    Mit euch sollen Veranstaltungen nachhaltiger werden. Was genau bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich für euch?

    Nachhaltigkeit ist sehr vielseitig – wichtig ist die transparente Darstellung. Wir werden uns in einem ersten Schritt auf Lösungen konzentrieren, die ökologisch nachhaltig sind und CO2 einsparen – wie zum Beispiel Produkte, die biologisch abbaubar sind, mit erneuerbaren Energien produziert worden sind, aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, regional produziert wurden etc. In einem zweiten Schritt kommen weitere Kriterien hinzu, wie zum Beispiel faire Produktionsbedingungen, faire Preise und so weiter. Nachhaltigkeit bedeutet aber nicht nur „effiziente“ und/oder „ökoeffektive“ Produkte einzusetzen – es bedeutet vor allem auch „das richtige Maß“ zu finden.

    "Man braucht nicht jedes Mal ein neues Glas"

    Wie sieht die perfekte Veranstaltung für euch aus?

    Die perfekte Veranstaltung wird den Bedürfnissen aller Beteiligten gerecht, und dazu gehört auch unsere natürliche Umwelt. Dabei gilt oft die Devise: weniger ist mehr. Man muss den Teilnehmenden nicht jedes Mal ein neues Glas bringen, wenn das alte leer ist – eine Flasche (natürlich nicht aus Plastik), die sich immer wieder auffüllen lässt und die man mit nach Hause nehmen kann, ist zum Beispiel eine gute Alternative. So können Ressourcen eingespart und gleichzeitig Bewusstsein geschaffen werden. Genau das ist uns ein besonderes Anliegen: Positivbeispiele aufzuzeigen, die im besten Fall über die Veranstaltung hinaus in den Alltag getragen werden - sowohl von den Organisatoren, als auch von den Teilnehmenden.

    Stößt euer Konzept auf Interesse in der breiten Öffentlichkeit oder könnt ihr bislang nur Nischen erreichen? Was sind vielleicht Hürden oder Hemmnisse dabei, inemaa zu nutzen?

    Die breite Öffentlichkeit, vor allem Unternehmen und Agenturen erreichen wir wegen der seit dem 1.1.2017 greifenden CSR-Pflicht. Wer sich heute unternehmerisch ernsthaft mit Nachhaltigkeit auseinandersetzt, wird das früher oder später auch auf Veranstaltungen umsetzen (müssen) - denn etwas zu feiern gibt es immer und überall. Und wenn wir uns in der Branche umschauen, dann sehen wir, dass auch schon einiges passiert. In vielen Köpfen ist Nachhaltigkeit zwar nach wie vor als zu ‘öko’ abgespeichert, nicht exklusiv genug oder vermeintlich teurer als konventionelle Lösungen. Da müssen wir und viele andere die Vorteile der Nachhaltigkeit für alle verständlich machen.

    "Don’t be shy, have a try!"

    Ihr seid 2016 im AndersGründer Programm, finanziert von der KfW Stiftung, im Social Impact Lab Frankfurt aufgenommen worden. Was ist seitdem passiert?

    Viel ist passiert. Wir haben gegründet, wir haben erste Beratungsaufträge erfolgreich durchgeführt, wir haben bei einem wichtigen Business-Wettbewerb gewonnen - und vor allem sind wir Teil einer großartigen Community, in der wir spannende Menschen treffen, viel Spaß haben und sich gegenseitig unterstützt.

    Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

    Mehr Bewusstsein. Wir alle haben einen Impact, als Unternehmen genauso wie als Einzelperson. Neben bewussterem Konsum braucht es aber auch strukturelle Veränderungen. Dafür müssen grundlegende Bedingungen verändert werden, wie zum Beispiel Mehrweg-Flaschen-Pflicht für Getränke auf Festivals.

    Und zum Schluss: Euer Tipp für angehende Social Entrepreneurs?

    Zuallererst: Don’t be shy, have a try! Und wenn es dann über die Idee hinausgeht, darf neben dem sozialen und ökologischen Gedanken auch nie der wirtschaftliche Aspekt vernachlässigt werden. Wir brauchen langfristige, also in jeder Hinsicht nachhaltige, Lösungen für die zahlreichen Herausforderungen unserer Zeit. Gleichzeitig darf die Wirtschaftlichkeit nicht über das Soziale und Ökologische gestellt werden. Alle drei Aspekte sollten sich im besten Fall gegenseitig die Hand reichen.

    Wenn du mehr über Inemaa erfahren willst oder gerade dabei bist, eine Veranstaltung zu planen, die nach bestem Wissen und Gewissen nachhaltig von Statten gehen soll, dann schau dich doch mal auf der Website von inemaa, ihrer Facebook-Page oder ihrem AndersGründer-Profil um.

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