• Videotelefonie-Plattform "Daheim" - Integration per Video-Call

    Auch im Jahr 2017 gibt es noch nicht genügend Sprachkurse für Geflüchtete. Bei vielen Einheimischen widerum entstehen Ängste und Vorbehalte oft schon dadurch, dass sie noch nie mit Geflüchteten in Kontakt waren. Das Start-up "Daheim" will beides auf einmal beschleunigen: durch gezielte Video-Unterhaltungen von zu Hause aus.

     

    Ein intelligenter Matching-Algorithmus verbindet die Nutzenden interessenbasiert und passend zu dem jeweiligen Sprachlevel. So kann man bei der Integration helfen, seinen Horizont erweitern und Vorurteile abbauen. Und muss dafür noch nicht mal seine Wohnung verlassen.

     

    Hallo Madita. Was versteckt sich hinter eurem Projekt "Daheim"?

    Hallo Felicitas. Daheim ist eine Art digitales Sprachcafé – auf unserer Plattform werden Nutzer interessenbasiert via Videotelefonie zusammengebracht, um sich unterhalten zu können. So können sich einerseits Menschen begegnen, die im Alltag selten aufeinander treffen, und andererseits Menschen ihre Deutschkenntnisse anwenden und erweitern.

    Wie wichtig ist der Erwerb der deutschen Sprache für neu in Deutschland Ankommende?

    Wir sind überzeugt, dass gute Deutschkenntnisse einer der wichtigsten Aspekte für das Ankommen und eine gelungene Integration sind.

    Das war sicher einer der Aspekte, weshalb ihr ‚Daheim’ gegründet habt. Was hat euch an der momentanen Situation gestört? Und welches Problem könnt ihr lösen?

    Ursprünglich wollte ich ‚Daheim’ gründen, da ich selbst schon häufig die Erfahrung gemacht habe, wie schwer es im Ausland ist, mit Locals in Kontakt zu treten. Dabei fördern ebensolche Kontakte die Sprachkenntnisse sowie die Integration maßgeblich. Ende 2015 erhielt meine Idee durch die Ankunft vieler geflüchteter Menschen in Deutschland nochmal eine neue Relevanz. So gibt es auch jetzt noch nicht genügend Plätze in Sprachkursen und somit einen noch größeren Bedarf an unkomplizierten Möglichkeiten, um Deutsch zu sprechen. Es gibt zum Glück auch viele andere tolle Projekte, die Begegnung und interkulturellen Austausch ermöglichen. Viele waren uns persönlich jedoch zu verbindlich und schwer vereinbar mit unserem Alltag. Und genau das wollten wir mit ‚Daheim’ ändern: ‚Daheim’ kann jeder flexibel nutzen und die Plattform besuchen, wann immer er gerade einige Minuten Zeit und Lust für ein Gespräch hat – jederzeit, überall und natürlich kostenfrei. Durch diese Verbindung von Digitalem und dem direkten Gespräch via Videotelefonie wird ‚Daheim’ flexibel, bleibt aber gleichzeitig persönlich.

    Was ist für euch funktionierende Integration?

    Integration ist ein langwieriger Prozess, der beiden Seiten – sowohl Ankommenden als auch Einheimischen – einiges abverlangt. Funktioniert hat sie dann, wenn die neu Zugezogenen in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen sind und Plattformen sowie Projekte zur Förderung von Dialog und Begegnung nicht mehr nötig sind.

    Welche Menschen nutzen "Daheim"?

    Menschen, die sich flexibel engagieren möchten, indem sie sich auf Deutsch mit jemandem unterhalten. Und Menschen, die ihre Deutschkenntnisse im direkten Gespräch praktisch anwenden und verbessern wollen. Was alle unsere Nutzer eint, ist die Lust, andere Menschen und Kulturen kennenzulernen. Häufig geht es zum Beispiel um typisch deutsche Dinge – welche Feiertage werden wie gefeiert, welches Essen wird zu besonderen Anlässen gekocht und so weiter. Das ist natürlich für beide Seiten sehr spannend. 

    Solche Themen sind sicher angenehm für beide Seiten. Aber was passiert, wenn Menschen beleidigend werden? Inwieweit greift ihr in die Kommunikation eurer Nutzer ein?

    Wir greifen grundsätzlich nicht in die Kommunikation unserer Nutzer ein – jedes Gespräch findet allein zwischen unseren Nutzern statt. Um dennoch Missbrauch und Beleidigungen vorzubeugen, nutzen wir drei Schutzmechanismen, die so auch auf den meisten anderen Plattformen verwendet werden: zunächst kann jedes Gespräch zu jeder Zeit beendet werden. Nach dem Gespräch werden unsere Nutzer zudem gebeten, Feedback zum Gespräch zu geben, das dann im Profil des anderen auftaucht. Sollte man also einmal eine weniger angenehme Erfahrung machen, kann man dies sofort für alle anderen Nutzer sichtbar machen. Ist es aber sogar eine negative oder verletzende Erfahrung, kann man den anderen Nutzer auch melden. In dem Fall können wir den betreffenden Nutzer sperren, bzw. sein Konto löschen. Darüber hinaus haben wir Hausregeln, die alle unsere Nutzer akzeptieren und die bald auch bei jeder Anmeldung auf der Startseite erscheinen. Diese Hausregeln vereinen zum Beispiel Tipps und Hinweise für ein wertschätzendes Miteinander.

    "Daheim" soll nicht nur online, sondern auch offline funktionieren. Wie sehen die offline Begegnungen aus?

    Langfristig planen wir ‚Daheim’-Regionalgruppen, die gemeinsam etwas unternehmen oder veranstalten können. Dann würde also das digitale Sprachcafé von Zeit zu Zeit auch offline stattfinden und Menschen vor Ort in Kontakt bringen.

    Wovon träumt ihr und was ist euer Ziel für 2017?

    Es wäre schön, wenn mehr Menschen auch ohne soziale Projekte und integrative Initiativen tolerant und weltoffen wären. Unser Ziel für 2017 ist es, so viele Menschen wie möglich miteinander zu verbinden und ins Gespräch zu bringen. Im Kleinen möchten wir dies durch eine Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit auf ‚Daheim’ unterstützen – und hierfür sind wir übrigens auch immer auf der Suche nach Entwicklern! Auf übergeordneter Ebene hegen und pflegen wir aber auch engen Kontakt mit anderen sozialen Initiativen. Diese wollen wir insbesondere in 2017 weiter vertiefen und ausbauen, denn gemeinsam können wir noch mehr erreichen.

    Ihr wollt mittelefonieren? Dann nichts wie los und registrieren unter willkommen-daheim.org oder einfach mal auf dem Gründerprofil oder der Facebook-Page von Daheim vorbeischauen.

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