• Female Social Entrepreneurship – Spielt das Geschlecht eine Rolle?

    Den Oktober haben wir diesmal dem Thema Female Social Entrepreneurship gewidmet. In diesem Rahmen konnten wir uns mit einigen Social Impact Gründerinnen austauschen und möchten zum Abschluss dieses Themenmonats einige Eindrücke daraus teilen.

     

    2015 waren laut der Europäischen Union nur halb so viele Frauen selbständig wie Männer. Der Unterschied zwischen Gründerinnen aus der konventionellen Startup-Szene im Vergleich zum Sozialunternehmertum zeichnet sich jedoch noch deutlicher ab: Laut der letzten DSEM-Umfrage des SEND e.V. gab nämlich die Hälfte der Teilnehmenden an, weibliche Gründerinnen zu sein. Der Anteil der Gründerinnen konventioneller Startups liegt hingegen in Deutschland zurzeit bei rund 15%. Wir leben in einem Land, in dem Frauen so gut ausgebildet sind wie nie zuvor: Mehr als die Hälfte der Abiturient*innen sowie Hochschulabsolvent*innen sind weiblich. Den Mut sich mit einer Gründungsidee tatsächlich selbständig zu machen liegt 2019 bei Männern mit 12% immer noch fast doppelt so hoch wie bei Frauen mit 7%.

    Woran könnte das liegen?

    „An fehlenden weiblichen Vorbildern zum Beispiel.“, vermutet Laura Zumbaum, eine der Gründer*innen von selo. Beim Gedanken an berühmte Gründerfiguren sind hauptsächlich männliche Gründer, wie Steve Jobs oder Bill Gates präsent. Aktuell mangelt es folglich an vergleichbar erfolgreichen weiblichen Vorbildfiguren.

    Hinzu kommt, dass Eigenschaften, die mit einem erfolgreichen Unternehmer assoziiert werden, von der Gesellschaft selten mit Frauen in Verbindung gebracht, sondern stereotypisch immer noch für “männlich“ gehalten werden: risikobereit, durchsetzungsfähig, heldenhaft. Laut einer Studie der Colombia Business School und der New York University (von 2018) werden erfolgreiche Frauen, die über ebendiese Eigenschaften verfügen, oftmals als aufdringlicher und weniger sympathisch wahrgenommen, als ihre männlichen Kontrahenten.

    Laura Zumbaum hat bereits ähnliche Verzerrungen in der Unternehmerszene wahrgenommen: „Weibliche Gründungen werden immer wieder in meinem Umfeld verniedlicht, das habe ich im Kontext mit männlichen Gründerteams bisher selten erlebt und weiß, dass es viele Frauen entmutigt "groß" zu denken. Ich fordere ein, dass wir uns alle unserer Stereotype im Kopf stärker bewusst werden und diese aktiv versuchen aufzulösen, da sie Hindernisse erzeugen.“

    Abgesehen von der Frage nach ihrem Geschlecht haben Gründer*innen ohnehin genug Herausforderungen auf ihrem Weg in die Selbständigkeit zu meistern: „Da Conny und ich beide Familie haben und wir beide wegen der familiären Verpflichtungen in Teilzeit arbeiten, stehen wir natürlich mit dem Spagat Familie/Business immer unter Strom. Ein hohes Maß an Chaostoleranz und Organisation sind da unbedingt wichtig. Das wäre anders, wenn wir weniger konservativ aufgeteilt oder gar männlich wären. Es gehören gute Absprachen, ein festes soziales Netz und klare Grenzen dazu.“, äußert sich Hanna Charlotte Erhorn von Bridge&Tunnel zum Thema.

    Gerade wenn man sich im Bereich des Social Entrepreneurship bewegt, das Werte vertritt, die sich viel um soziale Gerechtigkeit und Gleichstellung drehen, verwundert es nicht, dass hier geschlechterspezifische Hürden für den Weg zur Selbständigkeit von Gründerinnen als niedriger wahrgenommen werden könnten, als im konventionellen Unternehmertum. Festhalten lässt sich aber, dass im Allgemeinen ein geschlechtersensiblerer Umgang im Bereich der Unternehmensgründung erforderlich ist, um mehr Frauen den Weg für diese ebnen zu können.

     

    Du spielst mit dem Gedanken selbst zu gründen und bist dir zurzeit noch unsicher, ob du es schaffen könntest? Wir haben einige der weiblichen Alumni unserer Social Impact Programme gefragt, was sie gerne (angehenden) Gründerinnen mit auf den Weg geben würden:

    „Man weiß vor dem Gründen gar nicht, was wirklich auf einen zukommt. Man geht etwas blauäugig an das Thema heran und wächst dann nach und nach mit seinen Aufgaben. Selbstständig zu sein und eine eigene Firma zu gründen, war so spannend für uns, dass wir wenige Alternativen dazu gesehen haben und deshalb einfach losgelegt haben. Es sollte egal sein, welchem Geschlecht Gründer angehören. Es ist doch für alle eine große Herausforderung. Auch als Frau sollte man mit etwas Selbstvertrauen die Sache einfach angehen und sich nicht von bestehenden Vorurteilen einschüchtern lassen.“ – Jeanette Schmidt und Jette Grewling, Sauberkasten.

    „Wir haben als Zweierteam gegründet, da motivieren wir uns immer gegenseitig und bauen uns auf, wenn es mal holperig läuft. Eine zweite und auch dritte Perspektive und mehrere Schultern, die die Belastungen tragen können, sind immens wichtig.“– Hanna Charlotte Erhorn, Bridge&Tunnel.

    „Die Antwort darauf ist meines Erachtens wiederum nicht von meinem Geschlecht abhängig: Die Fallhöhe des Scheiterns realistisch zu betrachten, das hilft mir sehr um Bedenken zu überwinden. Finanzielle Verluste empfinde ich nur als bedingt bedrohlich. Wahre persönliche Verbindungen und Freundschaften scheitern nicht an einem gescheiterten Startup. Mir ist dabei sehr bewusst; ich bin privilegiert mich hier in Berlin in einer Umgebung zu befinden, in der ich nicht von Existenznot bedroht bin und ein pulsierender Arbeitsmarkt zur Verfügung steht. Außerdem trage ich bisher in erster Linie die Verantwortung für mich selber, auch das vereinfacht diese Haltung.“ – Laura Zumbaum, selo.

     

    Weiterführende Tipps für Events und Literatur rundum das Thema Female (Social) Entrepreneurship:

     

    Wie geht es weiter?

    Im November werden wir uns den Nachhaltigkeitszielen (SDGs) widmen, die für das diesjährige Global Goals Lab ausgewählt wurden: SDG 12 für nachhaltigen Konsum und Produktion sowie SDG 13 für Maßnahmen zum Klimaschutz! In der kommenden Woche  starten wir in einen neuen Themenmonat voller Events, Lesestoff, Gründer*innenenvents undundund. Stay tuned!

     

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