• Ich suche ein besseres Leben

    Baboucarr aus Gambia über seine Idee "StartHopeTransport".

    "Mein Name ist Baboucarr Darboe, ich bin 22 Jahre alt und in Gambia in Westafrika aufgewachsen. In meinem Leben bin ich schon viel herumgekommen. Ich wurde in Jarasoma geboren, wo ich zunächst mit meinen Eltern und meinen Geschwistern lebte. Als ich acht Jahre alt war, hat mich mein älterer Bruder zu sich geholt, um bei ihm und seiner Frau zu leben. Er war Kranführer und ich saß immer neben ihm, wenn er den Kran bediente. Als ich 16 Jahre alt war, sind wir beide in den Senegal umgezogen, um Arbeit zu finden. Dort habe ich zwei Jahre als Mechaniker gearbeitet, bevor ich nach Gambia zurückkehrte und mein eigenes Transportunternehmen gründete. Mit meinem Kleinbus für 22 Personen war ich der jüngste Fahrer der Stadt und beförderte Leute über weite Strecken, beispielsweise an die Grenze nach Senegal.

    Drei Jahre lang lief mein Transportunternehmen gut - bis der damalige Staatspräsident Yahya Jammeh ebenfalls in das Transportgeschäft einstieg. Er gründete sein eigenes, deutlich größeres Transportunternehmen. So ging er übrigens auch in anderen Branchen vor, z.B. in der Landwirtschaft. Sobald er Gewinnmöglichkeiten sah, riss er sie an sich und investierte.  Mit seinen niedrigen Preisen konnte ich nicht mithalten. Bald schon hatte ich nur noch eine oder zwei Fahrten pro Tag – davor waren es über 10. Viele andere kleine Transportunternehmen hatten dasselbe Problem wie ich. Für mich bedeutete dies, dass ich meine Steuern nicht mehr bezahlen konnte. Dazu muss man wissen, dass wir z.B. auch für unseren Führerschein in Gambia jedes Jahr eine Art Steuer bezahlen müssen. Es war für mich also nicht möglich mein kleines Transportunternehmen weiter zu führen.

    Deshalb verkaufte ich mein Auto und begann die größte Reise meines Lebens. Am 4.Mai 2014 startete ich, um Afrika zu verlassen und machte mich auf den Weg nach Europa. Ich erhoffte mir dort Bildung und Arbeit zu finden.

    Wir waren 25 Leute, die auf einem Pick-up Laster nach Libyen fuhren und ungefähr 125 Personen auf dem Boot nach Italien. Meine Reise war nicht einfach und ich danke Gott, dass ich in Libyen nicht inhaftiert wurde und unser Boot nicht sank. Zwei Jahre und sieben Monate später erreichte ich mein endgültiges Ziel - München in Deutschland. Ich musste sehr schnell begreifen, dass das, wonach ich mein ganzes Leben gesucht hatte, nicht in meine Reichweite kam. Ich bekam nicht die Arbeit oder Bildung, die ich zu finden gehofft hatte.

    Aber das Leben geht weiter. Ich will wirklich hart arbeiten und mein künftiges Leben planen, damit ich meine Ziele erreichen kann. Ich möchte nicht in meine Heimat zurückkehren und dann auf der Straße herumhängen. Deshalb arbeite ich gerade an meinem Businessplan für eine Firma namens „Start Hope Transport“. Inspiriert zu diesem Namen hat mich das Coachingprogramm „StartHope@Home. Der Name ist auch Programm, denn ich möchte Hoffnung nach Gambia bringen. Ich freue mich darauf mein eigenes kleines Unternehmen zu gründen. Ich möchte meine Verbindungen nach Deutschland nutzen und beispielsweise Rückkehrer aus Deutschland am Flughafen abholen oder meine Dienstleistung deutschen Reisenden anbieten. Dafür möchte ich mir einen kleinen Transporter kaufen. Mein größter Wunsch ist es, erfolgreich zu sein, und damit meine Eltern glücklich zu machen und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Ich habe sie seit fünf Jahren nicht gesehen. Zum Glück haben wir in Gambia seit 2017 einen neuen Präsidenten und ich setze Hoffnung auf seine Politik. Auch der Markt im Tourismus ist wieder besser seit er da ist, was gut für meine Transportpläne ist.

    Auf meiner Reise habe ich viel gelernt. Ich denke man muss sein Leben mit dem gestalten, was man hat, denn keiner weiß, was morgen kommt. Vielleicht verwandelt sich etwas Kleines von heute schon morgen in etwas Großes. Obwohl ich nur wenig Geld habe, bin ich zufrieden, mit dem was ich habe, denn vielleicht werde ich in Zukunft viele Mitarbeiter bei mir beschäftigen können. Das kann niemand wissen."

    30. August 2018, Baboucarr Darboe, Social Impact Lab Stuttgart

     

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