StartHope@Home: Teilnehmer­*innen berichten

Eröffnung einer Autoreifen-Werkstatt im Irak

Mittwoch, 04. März 2020

Bzar Mohammed ist mit seiner fünfköpfigen Familie in den Irak zurück gekehrt und hat hier eine eigene Autowerkstatt eröffnet. Hier berichtet er von seinem Unterfangen.

Mein Name ist Bzar (ausgesprochen Bijar) Mohammed. Ich kam 2015 mit meiner Frau und vier Kindern im Folge der IS-Gewalt in meiner Heimat nach Deutschland. Nach dieser gefährlichen Reise waren wir froh, endlich Sicherheit gefunden zu haben. Als gelernter Mechaniker mit über 10 Jahren Erfahrung konnte ich schnell Arbeit finden, während meine Kinder sich schnell in die deutsche Gesellschaft integrieren konnten. 

Wir haben das Glück gehabt, als Flüchtlinge aus einem Kriegsgebiet gekommen zu sein: die Behörden haben unseren Aufenthaltstitel immer wieder verlängert, und die Chancen, dauerhaft in Deutschland zu bleiben, sahen gut aus. Trotz dieser Situation war die Arbeitssituation nicht zufriedenstellend. Obwohl ich in meinem Land professioneller Mechaniker war, durfte ich immer nur in Hilfstätigkeiten arbeiten und eine Ausbildung war für mich aus finanziellen Gründen keine Option. Auch unsere Kinder sehnten sich langsam wieder nach ihrer Heimat, insbesondere nachdem wir in den Sommerferien im Irak gewesen waren und sie eine gute Zeit mit der Familie dort verbracht hatten. 

Damit die Kinder den Schulbeginn im Irak nicht verpassten, entschieden wir uns im Spätsommer 2019 für eine Rückkehr. Alles musste schnell gehen und ich musste vor allem schauen, wie ich meine Familie finanziell unterstützen konnte. Klar war für uns: ich eröffne ein Geschäft. Ich war früher selbständiger Mechaniker und Maler – eine andere Option kam nicht in Frage.

Für mein Vorhaben brauchte ich vor allem finanzielle Mittel – alles andere rum um das Geschäft kannte ich. Deswegen hat die Rückkehrberatung empfohlen, dass ich am Existenzgründungsprogramm StartHope@Home teilnehme, da hier nach dem Coaching eine Förderung in Form des ERRIN Business Start-up Plus Programms des BAMF beantragt werden kann. 

So überarbeitete ich in zwei Sitzungen mit dem Trainer von Social Impact das Geschäftsmodell für meinen Reifenwechselservice. Wir schauten uns zusammen alle Geschäftsprozesse an und stellten sicher, dass die voraussichtliche Förderung für den Aufbau meines Geschäfts ausreichen würde. Die Teilnahme am Projekt hat mir dabei geholfen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und den Finanzplan so aufzustellen, dass ich meine Familie durch mein Business gut unterstützen konnte.

Ende Oktober 2019 flogen wir zurück in den Irak, wo eine aufregende Zeit für uns anfing. Ich habe es in der Zwischenzeit geschafft, meine Reifenwerkstatt aufzubauen – sogar mit einem Öl-Wechselservice! Allerdings nicht ohne Hürden. Obwohl der Businessplan und insbesondere die Finanzplanung gut durchdacht war, musste ich mich der Realität vor Ort stellen. Meine ursprüngliche Idee, eine kleine Werkstatt mit nur einem Wagenheber und ohne Ölwechsel zu eröffnen, entsprach nicht den Anforderungen vor Ort. Um Vertrauen mit Kunden aufzubauen musste ich eine Werkstatt aufbauen, die mindestens zwei Kunden gleichzeitig bedienen konnte und auch einen erweiterten Service anbieten konnte. 

Das Training mit Social Impact hat mir auch mit dieser Herausforderung geholfen. Zum einen war die finanzielle Hilfe vom Business Start-Up Plus Programm eine gute Hilfe – obwohl sie niedriger ausfiel als erwartet – um damit mehr Kapitel ausleihen zu können. Vielmehr aber hat das Programm mir dabei geholfen, meine Ideen zu strukturieren und nach Lösungsansätzen, bzw. einem Backup zu suchen, sollte die Realität mich vor Ort einholen.
 

Social Impact Lab Stuttgart