Wir haben die Vision einer gerechten und zukunftsfähigen Gesellschaft von morgen. Deshalb entwickeln wir Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen wie Klimawandel, Fragen der Migration und Integration, Rechtspopulismus oder Stadt-Land-Gefälle. Unser Blog gibt euch Einblicke in unsere Arbeit, in die Erfolge unserer (Social) Startups und hinter die Kulissen. Er zeigt, was uns wichtig ist. Wirft Fragen auf. Gibt Antworten. Unterhält. Und inspiriert. Viel Spaß beim Lesen!
Donnerstag, 24. April 2025
»Diese Konferenz wollte nicht schneller, höher, weiter. Sie wollte tiefer: Die AI Impact Days.« Teilnehmer Ole Lisberg
Tatsächlich drehte sich auf den Bühnen der AI IMPACT DAYS nicht alles um den nächsten großen Hype oder das neueste KI-Tool. Vielmehr stand eine zentrale Frage im Raum:
Was braucht es, damit KI wirklich zum Guten wirkt – für alle?
Die KI-Welt traf auf die Sozialwirtschaft – und kam in echten Austausch: auf Augenhöhe, mit Neugier und Haltung. Gemeinsam wurde ausgelotet, wie technologische Innovation zu sozialem und gesamtgesellschaftlichem Fortschritt beitragen kann. Gerecht, inklusiv, menschenzentriert.
Und das war spürbar: in den Gesprächen, den Sessions, den leiseren Momenten und den lauteren Aha-Erlebnissen. Wir sind noch immer beseelt von all den Eindrücken, Ideen und Begegnungen mit euch. Nach ein paar Tagen Sortieren, Reflektieren und Sackenlassen, teilen wir hier unsere Rückschau – mit den wichtigsten Impulsen, Learnings und Best Practices.

Die erste Keynote: Vertrauen beginnt mit Erfahrung
Martin Rothhaar und Social Impact Geschäftsführer Thorsten Jahnke eröffneten die AI IMPACT DAYS mit einer klaren Botschaft: Technologie ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Werkzeug – und kann den Arbeitsalltag spürbar erleichtern.
Besonders greifbar wurde das am Beispiel von #MartinsMama. Eine persönliche Geschichte, die zeigt, worum es wirklich geht: Vertrauen in KI entsteht nicht nur durch Wissen. Sondern vor allem durch Erfahrung – und durch den sichtbaren Mehrwert für den Menschen.
Ihre Kernfrage hallte nach – und begleitete viele Gespräche im Verlauf des Tages: Wie können wir echtes Vertrauen in KI aufbauen?

Arbeit an der Zukunft
Michael Trautmann knüpfte nahtlos an und brachte wichtige Punkte ein: Hinter jeder KI sollte eine echte Geschichte stehen. Es braucht konkrete Anwendungsfälle, die greifbar, relevant und menschlich sind.
Sein Appell: Wir müssen Wachstum neu denken – nicht nur in Zahlen, sondern in Wirkung und gesellschaftlichem Mehrwert. Denn, so bringt er es auf den Punkt: „Die Zukunft der Arbeit ist die Arbeit an der Zukunft.“

Wer bekommt Vorfahrt – Geld oder Gerechtigkeit?
Katja Kipping zeigt in ihrer Keynote, wo es hakt – denn gerecht ist KI bisher noch nicht. So stellt sich die Frage, wer Vorfahrt bekommt – Geld oder gesellschaftliche Notwendigkeit?
Dabei betonte sie, wie ähnlich Analoges und Digitales sich eigentlich sind. Unsere Werte und Strukturen spiegeln sich auch in Technologie wider. Umso wichtiger ist es, Stereotype zu hinterfragen – und KI so zu gestalten, dass sie allen Menschen zugutekommt.
Denn KI hat das Potenzial, Barrieren abzubauen – oder unbeabsichtigt zu verstärken. Der Unterschied liegt darin, wie wir sie einsetzen.

Wie KI und Ethik Hand in Hand gehen
Auf die Keynotes folgte ein Panel mit sechs Diskutierenden. Es stand unter dem Motto: Wie lässt sich KI sinnvoll und glaubwürdig einsetzen?
Klaus Mellenthin, Yasemin Efiloğlu, Zamina Ahmad, Joana Breidenbach, Robert Kusche und Jannik Rößler sprachen über Chancen und Herausforderungen beim Einsatz von KI – ob in Text, Bild, Automatisierung oder anderen Formaten.
Alle waren sich einig: Es braucht neue Antworten. Und klare Haltungen im Umgang mit KI.
KI kann ein starkes Werkzeug für Organisationen sein – vor allem in barrierearmen Anwendungen. Entscheidend dabei ist eine glaubwürdige Kommunikation. Nur so greift das Potenzial von KI verantwortungsvoll und zum Wohl der Gesellschaft.

KI in der Praxis
Dann wurde es sehr praxisnah: Acht Organisationen zeigten auf der Bühne, wie sie KI heute schon wirksam einsetzen.
Die GFB (Gesellschaft zur Förderung Brandenburger Kinder und Jugendlicherund) und Varunix setzen auf KI, um pädagogische Prozesse in der Jugendhilfe zu verbessern. Sie erleichtern damit die Zusammenarbeit mit jungen Menschen – gezielt und alltagsnah.
Eugen Martin, Co-Founder von WeFix.Social berichtete offen von ihrem Experiment, Armut mithilfe eines KI-Agenten zu bekämpfen. Und von der bewussten Entscheidung, das Projekt wieder zu stoppen – ein ehrlicher Einblick in Chancen und Grenzen.
Said Haider, Gründer von YOUNA – der weltweit ersten KI-gestützten Ersthilfe bei Rassismus, präsentierte einen Chatbot, der Betroffene in diskriminierenden Situationen begleitet. Er dient als niedrigschwellige Anlaufstelle und leistet „Erste Hilfe“ bei Rassismus.

Das Ashoka AI Lab nutzt KI als Trainingspartner für „Rollenspiele in Echtzeit“. Odin Mühlenbein erklärt dabei wie Conscious Tinkering funktioniert: Schritt für Schritt ausprobieren, langweilige Aufgaben automatisieren und so innerhalb der Organisation eine Fanbase aufbauen.
Jeanette Bouffier, Co-Gründerin von Teresa.ai entwickelt KI-basierte Unterstützung für ältere Menschen im Alltag. Ob Medikamentenerinnerung, Orientierung bei Alltäglichem oder ein Gespräch zur richtigen Zeit – der Fokus liegt auf mehr Selbstbestimmung und weniger Einsamkeit.
Die gemeinnützige Innovationsplattform aus Niederbayern Silicon Vilstal – Heimat für Neues und Helmut Ramsauer von der TU München zeigten, wie kreative Bildungserlebnisse mit KI junge Menschen für Zukunftsthemen begeistern können – spielerisch, inspirierend und wirkungsvoll.
Die App Museful verbindet kulturelles Erbe mit Technologie. Mithilfe von KI wird der Museumsbesuch barrierearm, interaktiv und für alle zugänglich.
Die FRÖBEL Bildung und Erziehung gGmbH setzt auf mehrsprachige KI-Videos, um die Kommunikation zwischen Kita und Familien zu erleichtern. So entsteht mehr Verständnis und Teilhabe und zeitgleich können Barrieren abgebaut werden.

Transformation braucht Haltung – nicht nur Technik
Im zweiten Panel des Tages diskutierten Saber Romdhani, Milena Glimbovski, Marco Peters, Jasmin Rocha und Martin Rothhaar, was eine erfolgreiche KI-Transformation wirklich ausmacht: Wie lässt sich Bürokratie in der Sozialwirtschaft mit digitalen Lösungen abbauen – und wie nimmt man die Mitarbeitenden dabei wirklich mit?
KI soll nicht einfach Prozesse digitalisieren, sie soll entlasten. Damit mehr Raum bleibt für das, worum es eigentlich geht: die Arbeit mit und für Menschen. Klar wurde auch: KI transformiert keine Branche – Menschen tun das. Ob Technologie zum Hebel für positiven Wandel wird, hängt von Führung, Haltung und gelebter Fehlerkultur ab. Wir müssen erst mal das »Licht anmachen«, damit Menschen – Führungskräfte und Mitarbeitende – sehen, was möglich ist, verbildlicht Saber Romdhani während der Panel-Runde.
Auch das Thema Ethik kam auf. Deutlich wurde: »Ethik« bedeutet nicht für alle das Gleiche. Für manche steht Transparenz im Vordergrund, für andere Teilhabe oder Regulierung. Entscheidend ist, dass wir darüber sprechen und unterschiedliche Perspektiven zulassen.
Zum Abschluss: KI gemeinsam weiterdenken
In den Arbeits-Sessions am Ende der AI IMPACT DAYS wurde es nochmal sehr interaktiv und praktisch. Die Teilnehmenden entwickelten Ideen weiter, wie KI in sozialen Kontexten sinnvoll wirken kann – mit Mehrwert für Organisationen und die Menschen, mit denen sie arbeiten.
Die Gesellschaft für soziale Unternehmensberatung zeigte, wie sich der Fördermittelprozess mit KI nützlich verbessern lässt. Ein Chatbot kann Anträge vorbefüllen und vorprüfen – mit dem Ziel, bürokratische Hürden zu senken und den Aufwand spürbar zu reduzieren.
Deutschland größte Spendenplattform betterplace.org zeigte, wie Fundraising mit KI effizienter gestaltet werden kann. In der Session entstand ein Content Guide mit konkreten Prompting-Tipps, die Organisationen dabei unterstützen, Spendenkampagnen gezielter und wirkungsvoller umzusetzen.
AllesRetter-Magdeburg e.V. testete verschiedene KI-Tools, um Social-Media-Arbeit zu vereinfachen und ihre Mission der Lebensmittelrettung digital sichtbarer zu machen.
Die Initiativen für Menschen mit Behinderung PIKSL und In der Gemeinde leben arbeiteten gemeinsam mit der TU Dortmund an inklusiven, barrierearmen KI-Lösungen – für mehr digitale Teilhabe von Anfang an.
Unfold e.V. brachte den KI-Stärkencoach mit: ein Tool, das junge Menschen unterstützt, ihre individuellen Talente zu entdecken und gezielt zu entfalten.
Die Kita Kinderzimmer widmete sich dem Abbau von Bürokratie im Kita-Alltag. Ihr Ziel: Die manuelle Verarbeitung von PDF-Dokumenten durch eine automatisierte, KI-gestützte Lösung ersetzen – für mehr Zeit im direkten Kontakt mit Kindern und Familien.
Was bleibt? Und was kommt?! Das AI IMPACT LAB
Runde zwei der AI IMPACT DAYS zeigt: Es bewegt sich etwas. Seit dem Auftakt der Eventreihe ist spürbar, wie viel bisher in Bewegung gekommen ist – und wie groß die Bereitschaft ist, KI sinnvoll zu nutzen. Gleichzeitig wurde klar: Es braucht nicht nur neue Antworten, sondern auch neue Fragen. Wenn wir KI nur als Technologie betrachten, übersehen wir ihr eigentliches Potenzial. Sie kann Prozesse erleichtern, Teilhabe fördern und neue Formen der Zusammenarbeit ermöglichen – aber nur, wenn wir die Menschen mitnehmen. Ihre Fragen hören. Ihre Zweifel ernst nehmen. Und Räume für echte KI-Aha-Momente schaffen.
Und genau hier möchte unser neues AI IMPACT LAB ansetzen. Das Lab bietet Raum zum Ausprobieren, Testen und gemeinsamen Lernen. Hier können Organisationen experimentieren, eigene KI-Ideen entwickeln und herausfinden, wie Künstliche Intelligenz ihre soziale Wirkung gezielt verstärken kann.
Praxisnah, partizipativ und an den echten Bedürfnissen orientiert. Mit Unterstützung des Labs können Freiräume entstehen – für das, was wirklich zählt: für die Mission eures Unternehmens und für euch - die Menschen, die sie jeden Tag mit Leben füllen. Schaut gern auf unserer neuen Seite vorbei:
🧑💻 Website AI Impact Lab
Freut euch auf weitere Impulse, Lernformate und praxisnahe Experimentierräume im AI IMPACT LAB oder bei den nächsten AI IMPACT DAYS!
💁♀️ LinkedIn Beitrag „Wie alles begann“
💁♂️ Alle Speaker:innen im Detail vorgestellt - LinkedIn Auftritt der AI Impact Days
Text: Stephanie Schneider, Bilder: Robina Prillwitz
