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Wir haben die Vision einer gerechten und zukunftsfähigen Gesellschaft von morgen. Deshalb entwickeln wir Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen wie Klimawandel, Fragen der Migration und Integration, Rechtspopulismus oder Stadt-Land-Gefälle. Unser Blog gibt euch Einblicke in unsere Arbeit, in die Erfolge unserer (Social) Startups und hinter die Kulissen. Er zeigt, was uns wichtig ist. Wirft Fragen auf. Gibt Antworten. Unterhält. Und inspiriert. Viel Spaß beim Lesen!

Energiegenossenschaften: Echte Teilhabe an der Energiewende

Freitag, 24. Oktober 2025

Die Energiewende ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die die Art und Weise, wie wir mit Energie umgehen, verändert.

Einerseits verabschieden wir uns sukzessive von zentralen Großkraftwerken, denn die Energieproduktion wird künftig viel dezentraler stattfinden. Auch in Bayern werden (in naher Zukunft) Windparks stehen und direkt vor Ort die Menschen mit Strom versorgen. Andererseits bietet die Energiewende die einmalige Option, dass die Bürger:innen aktiv an der Energieinfrastruktur in ihrer Kommune oder ihrer Region teilhaben können. Genau hier kommen Energiegenossenschaften ins Spiel.

Was sind Energiegenossenschaften?

Eine Energiegenossenschaft ist eine besondere Form des gemeinschaftlichen Wirtschaftens: Bürgerinnen und Bürger, Kommunen und Unternehmen schließen sich zusammen, um Projekte im Bereich erneuerbare Energien zu finanzieren und zu betreiben. Die Rechtsform ist die eingetragene Genossenschaft (eG), wie bei Wohnungsbaugenossenschaften oder auch Bankgenossenschaften (beispielsweise Volks- und Raiffeisenbanken).

Genossenschaften können in Deutschland auf eine lange Tradition zurückblicken. Schon im 19. Jahrhundert entwickelten Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch (unabhängig voneinander) die Idee des gemeinschaftlichen Wirtschaftens in Form von Genossenschaftfsmodellen weiter. Die Idee dahinter: durch gemeinsames Handeln können auch kleine Akteure große Wirkung entfalten.

Welche Projekte setzen Energiegenossenschaften um?

Die Bandbreite der Aktivitäten von Energiegenossenschaften reicht von kleinen Solaranlagen bis hin zu komplexen Infrastrukturvorhaben. Einige Genossenschaften betreiben auch Bürgerwindparks, bei denen Anwohner:innen nicht nur von sauberem Strom profitieren, sondern auch direkt am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt sind.

Zunehmend rücken auch Quartierslösungen und Wärmenetze in den Fokus, mit denen ganze Stadtteile oder Dörfer auf erneuerbare Wärme umgestellt werden. Dazu kommen Projekte im Bereich der Elektromobilität.

Nach Zahlen des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes DGRV haben Energiegenossenschaften in Deutschland bereits rund 3,6 Milliarden Euro in die Energiewende investiert und damit jährlich etwa acht Terawattstunden Ökostrom erzeugt! Dies entspricht einer Einsparung von rund drei Millionen Tonnen CO₂ - ein Wert, der dem Ausstoß einer Großstadt wie Stuttgart gleichkommt.

Das finanzielle Problem der Kommunen

Auf den ersten Blick scheint klar, dass dies eigentlich Aufgabe der Kommunen ist - regional die Energiewende konsequent umzusetzen. Allerdings ist das oft nicht möglich, denn in strukturschwachen Regionen fehlen kommunalen Versorgern oft die finanziellen Reserven. Auch kleinere und mittlere Stadtwerke haben häufig keinen direkten Zugang zu Kapitalmärkten. Selbst in wirtschaftlich stärkeren Regionen sind die finanziellen Spielräume limitiert.

Es fehlt das Kapital in den Kommunen. Eine Möglichkeit ist ein Fonds für internationale Großinvestoren, wie ihn aktuell die Landesbank Baden-Württemberg plant. Das Kapital soll dann an Stadtwerke ausgeschüttet werden, damit diese Projekte umgesetzt werden. Die Gewinne fließen dann zurück. Eine andere Möglichkeit ist, dass es die Bürger:innen selbst in die Hand nehmen.

Warum lohnt sich eine Mitgliedschaft?

Die Gründe, einer Energiegenossenschaft beizutreten, sind vielfältig:

  • Klimaschutz & Energiewende
    Jeder investierte Euro trägt dazu bei, fossile Energien zu ersetzen und die Transformation voranzubringen.
  • Demokratische Mitbestimmung
    Anders als bei Aktiengesellschaften zählt nicht die Höhe der Einlage, sondern es gilt “Eine Stimme pro Mitglied”.
  • Regionale Wertschöpfung
    Gewinne bleiben in der Region und stärken lokale Handwerksbetriebe, Kommunen und damit die Bürger:innen vor Ort
  • Finanzielle Rendite
    Viele Energiegenossenschaften schütten regelmäßig Dividenden aus, zwischen zwei und fünf Prozent.
  • Stabilität & Vertrauen
    Genossenschaften sind eine robuste Unternehmensform: Sie weisen die niedrigste Insolvenzquote aller Gesellschaftsformen auf und unterliegen regelmäßigen Prüfungen durch unabhängige Verbände.

Beispiele aus der Praxis

Zwei erfolgreiche Beispiele zeigen, wie vielfältig Energiegenossenschaften sein können:

Die BürgerEnergie Berlin mit über 3.000 Mitgliedern wurde gegründet, um das Berliner Stromnetz zu rekommunalisieren. Und das erfolgreich! Heute betreibt die Genossenschaft Photovoltaikanlagen und Mieterstrom-Projekte in der Hauptstadt und zeigt, wie Energiegenossenschaften auch in urbanen Räumen funktionieren können.

Die Planet U Genossenschaft hat in den letzten 13 Jahren über 50 Projekte umgesetzt, darunter die Umrüstung eines Busses von Diesel auf Elektro, der Passagiere am Bremer Flughafen vom Gate zu den Flugzeugen transportiert. Planet U betreiben eigene Blockheizkraftwerke, die Strom und Wärme bereitstellen.

Barrieren beim Zugang zu Energiegenossenschaften

So attraktiv Energiegenossenschaften sind – für viele Interessierte bleibt der Einstieg bislang eine Hürde. Oft fehlt es an Transparenz und Vergleichbarkeit: Welche Genossenschaften gibt es überhaupt? Welche Projekte setzen sie um? Und wie unterscheiden sich Rendite, Risiken oder die konkrete Klimawirkung? Die nötigen Informationen sind meist verstreut, unvollständig oder oft nur über persönliche Kontakte zugänglich. Traditionell läuft der Beitritt daher über lokale Veranstaltungen oder zeitaufwändige Eigenrecherche.

Wer nicht zufällig in der Nachbarschaft auf eine Genossenschaft stößt, erfährt oft gar nicht, dass diese Möglichkeit existiert und bleibt außen vor. Insbesondere jüngere Menschen, die mobiler sind und oftmals die Stadt oder Region wechseln, bleiben schnell außen vor.

Digitale Lösungen als Wegbereiter

Hier eröffnet die Digitalisierung neue Chancen. Plattformen, die Energiegenossenschaften bündeln und transparent darstellen, senken die Eintrittshürden deutlich. So wie der Aktienhandel für "Normalbürger" geöffnet wurde, ist es an der Zeit, Genossenschaften für alle zu öffnen und sie auch so attraktiv darzustellen, wie sie sind.

Diese Aufgabe hat sich ein Unternehmen, das Teil der Impact Community von Social Impact ist und dort insbesondere in den Bereichen Wirkungsmessung unterstützt wird, zum Ziel gesetzt: Die Plattform „valueverde“ bündelt Informationen zu Energiegenossenschaften und macht sie für Interessierte sichtbar. User können Projekte vergleichen, Details zu Rendite und Klimawirkung einsehen und direkt Anteile zeichnen – digital, einfach und ohne Umwege. So rückt die Idee der Bürgerenergiegenossenschaften ins digitale Zeitalter.
Damit wird auch die Möglichkeit der Teilhabe einfacher zugänglich. Denn auch das ist Teil des genossenschaftlichen Gedankens: Alle sollen mitmachen können.

Genossenschaften = Energiewende zum Mitmachen

Energiegenossenschaften verbinden Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und demokratische Teilhabe. Sie zeigen, dass die Energiewende am besten von denen vorangetrieben wird, die direkt davon betroffen sind.
Mit über 220.000 Mitgliedern allein in Deutschland sind sie längst kein Nischenphänomen mehr, sondern ein Pfeiler der Transformation. Wer Mitglied wird, gestaltet die Zukunft aktiv mit – und profitiert zugleich von stabilen Renditen und regionalem Mehrwert.

Autor:innen: Nathanael Meyer und Tina Blum

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