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Anti-Rassismus-Plattform

Dienstag, 15. Dezember 2020

Am 25. Mai 2020 ist der Amerikaner George Floyd durch einen rassistischen Polizeieinsatz in Minneapolis (Minnesota) ums Leben gekommen. Seitdem beobachten auch wir, hören zu und reflektieren. Über die Ereignisse in den USA, aber auch darüber, wie in Deutschland mit dem Thema Rassismus umgegangen wird. Über Privilegien und vor allem darüber, wie wir von Rassismus betroffene Menschen unterstützen können. Es reicht uns nicht, uns nur gegen Rassismus zu positionieren - sondern wir wollen vor allem unseren Teil dazu beitragen, dass dieses wichtige Thema nicht an Präsenz verliert und weiterhin Dialoge geführt werden, die längst überfällig und wichtig sind.

Deshalb haben wir im Juli 2020 ein neues Format auf unserem Instagram-Kanal ins Leben gerufen und diesen seitdem ein Mal wöchentlich zu einer Informationsplattform zu (Anti-) Rassismus gemacht. Dabei nahmen wir einen Perspektivwechsel ein und uns als Unternehmen komplett raus, um die Menschen sprechen zu lassen, die sich seit Langem mit Rassismus auseinandersetzen oder selbst von Rassismus betroffen sind.

Alle vorgestellten informativen Quellen, Accounts und Handlungsempfehlungen haben wir auf dieser Seite dokumentiert und können als Einstieg, aber auch zur tieferen Auseinandersetzung mit dem Thema „Rassismus“ dienen.

ALLGEMEIN

RASSISMUSKRITISCHE BILDUNGSARBEIT

Seit Jahrhunderten ist Rassismus tief in unserer Gesellschaft verankert und wird deshalb im Alltag oft genug nicht als offensichtlich wahrgenommen. Dieser unbewusste Alltagsrassismus beginnt dabei bereits in der frühkindlichen Erziehung. Nicht nur die eigene Familie, aber auch viele andere Menschen im eigenen Umfeld üben einen Einfluss auf diese Bildung aus. Daher ist Bildungsarbeit einer der wichtigsten Bereiche, um über Rassismus aufzuklären, dafür zu sensibilisieren und dadurch alte Denk- und Handlungsmuster aufzubrechen.

WHITE FRAGILITY (WEIßE ZERBRECHLICHKEIT)

Der Der Begriff wurde von der amerikanischen Soziologin und   Rassismusforscherin Robin DiAngelo geprägt, die 2018 ein Buch mit dem gleichnamigen Titel veröffentlichte. Seit Jahren arbeitet sie mit weißen Menschen bei Workshops zum Thema Rassismus. Bei Debatten zu Rassismus und weißen Privilegien konnte sie immer wiederkehrende Handlungsmuster und Reaktionen der Teilnehmenden erkennen, die sie daraufhin als „white fragility“ beschrieb. Der Begriff soll ausdrücken, wie schwierig es teilweise ist, mit weißen Menschen über Rassismus zu sprechen. Die Reaktionen äußern sich häufig als emotional, wütend, ängstlich. Erfahrungen von BIPOCs werden  relativieret, oder das Gespräch darüber abgeblockt. „Viele Weiße reagieren schon auf die Andeutung, dass Weißsein Bedeutung hat, mit extremerAblehnung. Auch der Hinweis, dass ich etwas über sie wissen könnte, nur weil sie weiß sind, verursacht Verärgerung. Wir können kaum damit umgehen, wenn uns jemand darauf hinweist, dass unsere race unser Leben und unsere Ansichten formt.“ (R. DiAngelo im Interview mit ZEIT Campus, 08/2018). „Wir erfahren nie, wie es ist, sozialen Druck wegen unseres Weißseins zu erleben. Deshalb können wir nicht damit umgehen, wenn genau das passiert. Wir reagieren wütend und ablehnend, um dieses unangenehme Gefühl zu beenden.“ (ebd.)

KLIMARASSISMUS

Der Begriff Klimarassismus soll den Misstand beschreiben, dass nicht alle Menschen gleichermaßen von den Folgen der Klimakrise betroffen sind. Vor allem im sog. Globalen Süden spielen Geographie, Demographie, Machtstrukturen, Klassensysteme, Geschlechterungleichheiten, Hautfarbe uvm. schon längst eine entscheidende Rolle dabei, dass sich davon betroffene Menschen weniger gut schützen können. Sozialwissenschaftlerin Wissenschaftler*innen sehen dabei die Ursachen von Klimarassismus tief in unserer Geschichte verankert. Die heutige globale Wirtschaft ist stark daran beteiligt, dass soziale Ungleichheiten entlang dieser ehemals kolonialen Linien verlaufen. „Spricht man also von Klimarassismus, meint man genauso wie beim Umweltrassismus eine ungerechte Verteilung von Risiken: Diejenigen, die für sie verantwortlich sind, leiden am wenigsten unter den Folgen – jetzt eben auch in einem globalen Rahmen.“ (fluter: 2020).

RACIAL PROFILING

Racial Profiling bezeichnet polizeiliche Maßnahmen, wie Identitätskontrollen, Befragungen, Überwachungen, Durchsuchungen, oder auch Verhaftungen, die ohne konkrete Verdachtsgrundlage erfolgen, sondern allein auf Grundlage von (äußeren) rassifizierten oder ethnisierten Merkmalen (humanrights.ch). Der Begriff stammt aus den USA und geht weit bis in die Geschichte der Versklavung zurück (bpb: 2020). Hier sowie in anderen Ländern (UK z.B.) ist diese Praxis bereits durch verschiedene Institutionen anerkannt worden und rechtliche Regelungen sind in Kraft getreten, um diese zu unterbinden. In Deutschland haben wir bislang leider noch keine rechtlich geltende Definition oder Gesetze, die Betroffene ausreichend davor schützen können. Seit Jahren wird von Seiten der Bundesregierung bekräftigt, dass die Methode durch die Polizeien des Bundes und der Länder verboten sei und deshalb nicht angewendet würde (bpb: 2020). Ohne belastbare Studien, die das eine oder andere belegen können, kann jedoch weder Betroffenen noch den Behörden geholfen werden. Auch von Behördenseite wird die Forderung nach Studien immer lauter - nicht mit dem Ziel einzelne Beamt*innen an den Pranger zu stellen, sondern um die Ursachen des Problems intern aufarbeiten zu können.

RASSISMUS & ALGORITHMEN

Man möchte glauben, dass gerade Maschinen und Systeme dafür konzipiert sind, in jeder Situation die objektiv richtige Entscheidung zu treffen. Dabei behilflich sind ihnen heutzutage oftmals die Technologie der künstlichen Intelligenz und Algorithmen. Auf welcher Basis treffen Systeme diese Entscheidungen? Sie hinterfragen nicht die Aussagekraft von Daten, sondern suchen nach Mustern der Vergangenheit und erstellen damit Korrelationen. So wird letztendlich oftmals nicht nach dem Einzelfall entschieden, sondern auf der Grundlage abstrakter Daten, die auf dem Verhalten anderer Personen mit ähnlichen Merkmalen beruhen, wie Geschlecht, Bildungsgrad, Muttersprache, Wohnort, aber auch die Hautfarbe etc. - das jedoch nicht immer zum Vorteil der betroffenen Personen. Besonders häufig wurden in der Vergangenheit z.B. Gesichtserkennungsalgorithmen kritisiert, die besonders BIPOCs diskriminieren. Die Systeme treffen Entscheidungen auf Grundlage von Daten, die von Menschen erzeugt werden und diese sind bekanntlich keineswegs unfehlbar: Was klar ist: Diese Technologien stehen eindeutig noch am Anfang und müssen weiterentwickelt werden, um der Diskriminierung anderer Menschen vorzubeugen.

RASSISMUS & PSYCHISCHE GESUNDHEIT

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) definiert psychische Gesundheit als „Zustand des Wohlbefindens, in dem eine Person ihre Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und etwas zu ihrer Gemeinschaft beitragen kann“ (WHO: 2013). Demnach steht die psychische Gesundheit in einem sehr engen Zusammenhang mit den sozioökonomischen Umständen im Lebensverlauf eines Menschen. Es gibt eine Vielzahl an Studien, die zeigen, dass sozial marginalisierte Gruppen besonders von psychischen Belastungen und psychischen Erkrankungen betroffen sind. Personen, die einer ethnischen Minderheit angehören, bzw. wie in Deutschland gefasst, einen Migrationshintergrund haben, gehören in besonderem Maße zu dieser Gruppe (U. Kluge et. al.: 2020). Der Migrationspädagoge Paul Mecheril z.B. verwies bereits 1995 darauf, dass Rassismuserfahrungen zu Depressionen, sozialer Ängstlichkeit und Selbstwertproblematik bei den Betroffenen führen können.

WEITERE EMPFEHLUNGEN

Rassismus ist keine Eintagsfliege in Deutschland. Spätestens durch die #BlackLivesMatter-Bewegung ist mehr als deutlich geworden, dass er in allen Lebensbereichen unserer Gesellschaft verankert ist. Davon können wir leider nur ein Bruchteil auf dieser Seite abbilden. Hier haben wir weitere interessante Ressourcen und Formate von und mit BIPOCs zu verschiedenen Schwerpunkten zusammengestellt:

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