Ziele für eine nachhaltige Entwicklung

Freitag, 18. September 2020

Den gesamten September widmen wir verstärkt unserem Programm Global Goals Lab, das auf der UN Agenda 2030 aufbaut. Im September 2015 wurde die Agenda mit den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals) verabschiedet. In diesem Themenmonat werfen wir einen Blick auf die bisherige Entwicklung und begleiten den offiziellen Beginn der dritten Runde unseres Global Goals Labs. Wir nehmen euch mit auf eine Kurzreise über fünf ausgewählte SDGs. In dem ersten Blogartikel haben wir das erste Global Goal in den Fokus gestellt. In diesem Beitrag dreht sich alles um inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung (SDG 4).

 

Hochwertige Bildung ist ein Menschenrecht

Auch für das Global Goals Lab ging es diese Woche in die nächste Runde. Diese Woche werfen wir einen Blick auf SDG 4. Welche globalen sowie nationalen Entwicklungen sind dabei zu beobachten? Was bedeutet das für den individuellen Alltag und was kann jede*r Einzelne beitragen?

Eine hochwertige, inklusive und gleichberechtigte Bildung ist das Fundament für eine individuelle als auch gesellschaftliche Entwicklung. Sie kann Chancen für mehr Innovation, Inklusion eröffnen und Menschen dazu befähigen, ihre politische, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Situation zu verbessern. Obwohl der wöchentliche Zugang zu Bildung in Deutschland für die meisten Kinder und Jugendlichen gewährleistet ist, ist es weltweit jedem sechsten Kind nicht möglich, regelmäßig die Schule zu besuchen. Es betrifft vor allem Kinder, die in Armut leben und bereits frühzeitig als Unterstützung ihrer Familie arbeiten gehen.

Laut der UN besucht 1 von 5 Kindern im Alter von 6 bis 17 Jahren nicht die Schule. Circa 617 Millionen Kinder und Jugendliche verfügen über keine Mindestkenntnisse im Lesen und Rechnen. Folglich sind 750 Millionen Erwachsene noch immer Analphabet*innen, zwei Drittel davon sind Frauen. Dadurch fehlen elementare Qualifikationen und Kompetenzen, um sich aus der Armut befreien zu können. Fehlen wichtige Bildungsmöglichkeiten entsteht ein Mangel an Fachkräften. Gleichzeitig erschwert der Mangel an qualifizierten Fachkräften in einem Land, dessen Weiterentwicklung und wirtschaftlichen Wachstum als wichtige Grundlage für mehr Bildungszugang.

In Europa konnte laut eurostatdie Rate eines frühzeitigen Ausbildungsabbruches im Alter von 18 bis 24 Jahren von 2015 bis 2019 um 0,9 Prozentpunkte auf 10,2% gesenkt werden. 2018 wurden unterdurchschnittliche Leistungen im Lesen, Rechnen und Naturwissenschaften verzeichnet. Die Prozentpunkte der 15-jährigen Schüler*innen, die die Stufe 2 in der PISA nicht erreichten, stieg zwischen 0,7 bis 2,5 Prozentpunkten seit 2015. Das tertiäre Bildungsniveau stieg von 2014 bis 2019 um 3,8 Prozentpunkte auf 40,3% der Bevölkerung im Alter von 30 bis 34 Jahren.

In Deutschland hatte im Jahr 2017 jede*r Zehnte der 18- bis 24-Jährigen keine abgeschlossene Berufsausbildung, kein Abitur oder eine Fachhochschulreife. Fehlende Schul- und Berufsabschlüsse können ein Armutsrisiko und eine Belastung der Sozialsysteme bedeuten.

Als Folge der COVID-19-Pandemie wurden weltweit Schulen und Universitäten temporär geschlossen. Seit Mai 2020 waren laut UNESCO über 1,6 Milliarden Schüler*innen und Studierende in 194 Ländern betroffen. Die sozialen und ökonomischen Konsequenzen, die daraus folgen, gehen über den Bildungsauftrag der Schulen hinaus. Die UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore machte in diesem Zusammenhang deutlich: „Schulen sind viel mehr als nur ein Ort des Lernens. Für viele Kinder ist die Schule ein lebenswichtiger Zugang zu Schutz, Gesundheitsversorgung und Nahrung. Wenn wir jetzt nicht handeln – indem wir die lebensrettende Hilfe für die am stärksten gefährdeten Kinder ausbauen, werden die verheerenden Auswirkungen von Covid-19 noch Jahrzehnte zu spüren sein.“

 

Hochwertige Bildung im Schulalltag

Im Schulbereich kann aufgrund der Fächervielfalt nahezu jedes SDG an bestehende Schulinhalte angeknüpft werden. Sowohl in gesellschaftswissenschaftlichen, naturwissenschaftlichen Fächern und im Fremdsprachenunterricht könnten die SDGs inhaltlich gut vermittelt werden. Dies könnte in spielerischer Form erfolgen, aber auch mit fortschreitendem Alter der Schüler*innen können die verschiedenen Nachhaltigkeitsziele komplexer im Bezug zueinander behandelt werden. Laut der Studie zur Umsetzung der SDGs im deutschen Bildungssystem des Rat für nachhaltige Entwicklung sind die SDGs im Großen und Ganzen an Schulen und in Bildungsverwaltungen bislang jedoch unbekannt. Neben den unten genannten Beispielen wurden trotzdem etwa 1.500 deutsche Schulen durch verschiedene SDG-Programme zertifiziert.

Aus der Arbeit des Social Impact-Bildungsprojektes Baut Eure Zukunft in Zusammenarbeit mit u.a. UNESCO-Projektschulen ist bereits in der Praxis sichtbar, wie offen, neugierig und kreativ sich Schüler*innen mit Themen, wie Armutsbekämpfung, Umgang mit Zukunftsängsten und Nachhaltigkeit im Schulalltag auseinandersetzen, wenn die Rahmenbedingungen es zulassen. In Form von Projekttagen können hier bereits Lehrende und Schüler*innen binnen kürzester Zeit für ihren Schulalltag eine eigene Definition und Ideen für eine nachhaltigere und gerechtere Bildung erarbeiten. Fragen und Herausforderungen zu Themen, wie Zeit, interkulturelles Lernen, Anpassung an den Lehrplan und Unterrichtsmaterial sind dabei besonders wichtig, um den SDGs im Schulalltag Raum zu geben. Unsere Alumni Quinoa Bildung zeigen beispielweise in ihrem Schulalltag die Wichtigkeit, allen Jugendlichen in Deutschland ungeachtet ihrer sozialen und kulturellen Herkunft die Chance auf einen Schulabschluss und -anschluss zu ermöglichen.

Weitere inspirierende und etablierte Projekte und Schulen sind u.a. Netzwerk „Vorlesen“, mit MINT-Projekten hin zu mehr Leseförderung, Tausche Bildung für Wohnen e.V., Pacemaker, Arbeiterkind, Fairtrade Schools und EMAS Umweltschulen.

 

So kannst auch du einen Teil zur Erreichung des SDG4 beitragen:

    • Für Kinder: Spende deine Lehrbücher oder Jugendbücher, wenn du sie nicht mehr brauchst
    • Für Jugendliche: Du liebst Sprachen? Dann engagiere dich als Sprachlehrer*in
    • Für Eltern: Werde Fördermitglied bei Organisationen, die sich für die SDGs einsetzen oder werde mit deinen Kindern zu „Explorers for the Global Goals
    • Für jede*n: Erzähle deinem sozialen Umfeld von der Bedeutung der SDGs. Teile dein Wissen und deine Fähigkeiten mit deinen Mitmenschen, sodass ihr voneinander lernen könnt. Oder mache mit bei Aktionen, wie z.B. The World’s Largest Lesson oder entdecke die weltweite Global Goals Journey

 

Jeder Beitrag, sei es im persönlichen Umfeld, in deiner Stadt oder als unternehmerische Ausrichtung sind essenziell für unsere Zukunft. Ihr habt bereits Lösungen für die Erreichung des vierten Global Goals entwickelt? Dann könnt ihr Euch hier für unser kommendes Zukunftscamp 2020 anmelden. In der nächsten Woche unseres Themenmonats werden wir auf unserem Blog verstärkt auf das SDG5 eingehen.

 

Wir sind Social Impact.

Wir haben die Vision einer gerechten und zukunftsfähigen Gesellschaft von morgen. Deshalb entwickeln wir Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen wie Klimawandel, Fragen der Migration und Integration, Rechtspopulismus oder Stadt-Land-Gefälle. Unser Blog gibt euch Einblicke in unsere Arbeit, in die Erfolge unserer (Social) Startups und hinter die Kulissen. Er zeigt, was uns wichtig ist. Wirft Fragen auf. Gibt Antworten. Unterhält. Und inspiriert. Viel Spass beim Lesen!