Ein bewusstes Heute für ein gerechtes und nachhaltiges Morgen

Mittwoch, 30. September 2020

Den gesamten September über haben wir unserem Programm Global Goals Lab und den 17 Entwicklungszielen der UN-Agenda 2030 gewidmet. In dieser Woche thematisieren wir das achte und zehnte Global Goal. Welche globalen sowie nationalen Entwicklungen sind dabei zu beobachten? Was bedeutet das für den individuellen Alltag und was kann jede*r Einzelne beitragen?

Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

SDG 8 fordert ein dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle. Arbeiten macht einen sehr großen Teil unseres Lebens aus. Unsere Arbeit ermöglicht die eigenen Grundbedürfnisse zu erfüllen und für Viele auch darüber hinaus. Gegenwärtig wird weltweit so viel produziert und konsumiert wie noch nie. Laut UN-Bericht 2019 stieg das reale Bruttoinlandsprodukt in den am wenigsten entwickelten Ländern von 2010 bis 2017 jährlich um 4,8% (Zielvorgabe ist 7%). In Europa wuchs von 2014 bis 2019 das reale BIP pro Kopf um 10,8% um circa 27.990 Euro (eurostat 2020). Die Arbeitsproduktivität stieg von 2017 auf 2018 um 2,1%, was der höchste jährliche Anstieg seit 2010 ist. Die weltweite Arbeitslosenquote lag 2018 bei circa 5%. In Europa sind 12,6% im Alter von 15 bis 29 nicht in Ausbildung oder in einem Arbeitsverhältnis (Senkung von 3,1 PP seit 2014). Wirtschaftswachstum spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen Armut, es führt jedoch nicht automatisch zu mehr Wohlstand. Laut Schätzungen von UNICEF sind weltweit 150 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren schon berufstätig, um die bereits berufstätige Familie zu unterstützen.

Trotz einer vergleichbar geringen Arbeitslosenquote in Deutschland hat nicht jeder den gleichen Zugang zum Arbeitsmarkt. Menschen mit Behinderung sind öfter arbeitslos als der Durchschnitt und Frauen leisten beispielsweise durch Haushalt und Pflege häufig unbezahlte Carearbeit. Der Wohlstand und das wirtschaftliche Wachstum in Deutschland (als eines der reichsten Industrieländer) bauen auf Kosten natürlicher Ressourcen auf. Denn auch in Deutschland wird weit über die eigenen Verhältnisse konsumiert. Wird die Erreichung der Agenda 2030 angestrebt, so braucht es eine nachhaltigere Wirtschaft, ein Umdenken im Konsumverhalten und einen einheitlichen Zugang zu Arbeitsmöglichkeiten, um dauerhaft menschenwürdige Arbeit für alle fördern zu können. Doch auch Bildung ist einer der stärksten Treiber des achten Global Goals. Diese unterstützt dabei jede*n Einzelne*n, der Armut zu entkommen. Außerdem generiert sie auch Produktivität und fördert somit das Wirtschaftswachstum.

 

Nachhaltiges Wirtschaften: Im Unternehmen mitdenken

Wer als Gründer*in oder Unternehmer*in einen positiven Beitrag leisten möchte, kann bereits in der Wertschöpfungskette menschenwürdige und nachhaltige Arbeitsverhältnisse mitdenken. Ob zu Beginn einer Gründung, oder zu einem späteren Zeitpunkt: Unternehmen stellen sich immer häufiger die Frage, wie diese Werte mit wirtschaftlichem Wachstum realisierbar sind. Sei es der/die Einkäufer*in, die mit höheren Produktions- und Einkaufskosten innerhalb Deutschlands konfrontiert ist. Die Marketingabteilung steht vor der Herausforderung die höheren aber fairen Preise mit der Preissensibilität der Kund*innen zusammenbringen. Im Global Goals Lab wurden bereits Social Startups begleitet, die vor ähnlichen Herausforderungen standen. Plastic2Beans bietet beispielsweise ein Produkt an, bei dessen Produktion bereits Wasser, Energie, Co2 sowie Plastikmüll gespart wird und die Bauern fair bezahlt. Denn unser Konsumverhalten hat einen großen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen in ärmeren Ländern.

Weitere inspirierende Projekte, Unternehmen oder Initiativen, die sich lokal oder international für die Erreichung von SDG 8 einsetzen sind u.a. INCLUDE - Förderung einer sozial ausgewogenen Wirtschaftsentwicklung, Equal Care Day für eine gerechtere Bezahlung von Pflegekräften, SDG International Business Platform, TIP ME - GLOBALES TRINKGELD, Conflictfood, The CRED Initiative, Lockdown Economy, Local4Action HUBs initiative und weitere internationale Projekte

Dein Beitrag zur Erreichung des achten SDG:

  • Frage dich beim Einkaufen, ob du das Produkt wirklich brauchst oder welche regionalen, saisonalen und fairen Angebote es gibt.
  • Informiere dich über Produktionsbedingungen und die Arbeit der Menschen. In der Praxis könnt ihr euch dabei durch Siegel und Zertifikate eine Übersicht verschaffen. Die Verbraucherzentrale bietet dabei hier eine Orientierung. Mit der EinkaufsCHECK App von Fair Friend (Alumni von Social Impact) kannst du Produkte prüfen und vergleichen. So findest Du Produkte, die für dich am besten geeignet sind.
  • Sorge als Unternehmen dafür, dass alle Mitarbeiter*innen menschenwürdigen, inklusive und gleiche Arbeitsbedingungen erleben.
  • Nehme an der Global Goals Week 2020 teil, um z.B. dich über die SDGs weiterzubilden und in einer Community Lösungsansätze zu entwickeln

 

Alle Menschen sind gleich oder doch nicht?

SDG 10 fokussiert die Verringerung von Ungleichheit in und zwischen Ländern. Es widmet sich damit der Chancengleichheit unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Behinderung, Bildung oder sonstigem Status hin zu mehr Selbstbestimmung. Der Abbau dieser Ungleichheit soll zu einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum beitragen und den sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Ebenso fordert es mehr Regulierung und Überwachung globaler Finanzmärkte.

In vielen Ländern fließt ein immer größer werdender Anteil des Einkommens den Reichsten 1% zu. Auf die einkommensschwächste Bevölkerungsgruppe von 40%, entfallen dabei weniger als 25% des Gesamteinkommens. Noch stets gibt es nicht für jede*n den gleichen Bildungszugang, Mitspracherecht, Gesundheitsversorgung und wirtschaftliche Teilhabe. Circa 264 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit haben noch stets keinen Zugang zu Bildung. Dies sind fast doppelt so viele wie in Europa. Außerdem ist der Zugang zu Gesundheitsversorgung nicht in allen Ländern gewährleistet. Die Gleichstellung von Frauen und Männern weist, wie in unserem letzten Blogartikel bereits geschrieben noch immer große Unterschiede auf. In Deutschland wird auf die Förderung gleicher Bildungschancen und eine gerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen gesetzt, um Ungleichheiten zu verringern.

 

Eine aktive Zusammenarbeit ist wichtiger denn je

Nicht nur auf individueller oder gesellschaftlicher Ebene können dabei langfristig nachhaltig und sozial orientierte Lösungen entwickelt werden. Auch Unternehmen sollten Regierungen auf transparente und rechenschaftspflichtige Weise einbeziehen und Zahlungen an Regierungen offenlegen. Ob durch den Dialog über die öffentliche Ordnung oder durch Steuereinnahmen. Laut SDG Compass 2015 haben die Beziehungen zwischen Unternehmen und Regierungen erhebliche Auswirkungen auf die Menschenrechte. Dies kann die Entwicklung von Ungleichheiten verschärfen oder ebenso erheblich verbessern. Unternehmen können folglich einen positiven Einfluss auf die Bekämpfung der Ungleichheiten haben, indem sie integrative Geschäftsmodelle einbeziehen, die marginalisierten Gruppen am Arbeitsplatz, auf dem Markt und in der Gemeinschaft die Möglichkeit geben, sich weiter zu entwickeln. Die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen, die auf schlechter verdienende Kund*innen zugeschnitten sind, wäre eine Möglichkeit Ungleichheit zu verringern. Doch auch dann braucht es noch einen besseren Zugang zu grundlegenden Gütern und Dienstleistungen für in Armut lebende Menschen (z.B. durch das Kerngeschäft, politische Dialoge und soziale Investitionen). Das Rekrutieren, Schulen und Beschäftigen von lokalen Gemeindemitgliedern, einschließlich derer, die in Armut leben, ebnet den Weg in eine aktive Integration in Entwicklungsprozesse oder unternehmerische Wertschöpfungsketten (als z.B. Produzenten, Lieferanten, Händler, Verkäufer). Weitere inspirierende Projekte, Initiativen und Unternehmen sind u.a. Projekt Everyone, Grameen Bank, Project Breakthrough, shift, PwC Global, UN Children’s Fund (UNICEF) und weitere internationale Beispiele.

Weitere Beiträge zur Erreichung von SDG 10 auf Unternehmens- und individueller Ebene:

  • Unterstütze/ Investiere in unternehmensorientierte Aktivitäten zur Beseitigung der Armut (z. B. Entwicklung einer Politik für existenzsichernde Löhne oder inklusives Arbeiten).
  • Engagiere Dich in Netzwerken der Zivilgesellschaft, um Bildung und Ausbildung zu unternehmerischen Fähigkeiten anzubieten.
  • Engagiere dich für einen barrierefreien Ausbau in öffentlichen Einrichtungen.
  • Teile deine Fähigkeiten und unterstütze deine Mitmenschen z.B. mithilfe von Sprachkurse

 

Erkennen wir, was das Heute braucht um das Morgen zu gestalten?

Die 17 UN-Entwicklungsziele lösten 2015 nach 15 Jahren die Millennium Development Goals (MDGs) ab. Nach dem Manches erreicht wurde, blieb vieles jedoch gleich. Seit nun bald fünf Jahren setzen die SDGs genau dort an. Ein essenzieller Schritt hierbei war nach Ansicht der Vereinten Nationen, dass die SDGs auch Entwicklungsziele für die Industrie- und OECD-Staaten werden. Damit wurde in einer gewissen Art jeder Staat ein Entwicklungsland. Die SDGs sind jedoch Handlungsimpulse für uns alle. Jeder Beitrag, sei es im persönlichen Umfeld, in deiner Stadt oder als unternehmerische Ausrichtung ist essenziell für unsere Zukunft. Es gibt bereits verantwortungsvolle Projekte, Akteure und Unternehmen, die jeden Tag zeigen, wie wichtig es ist als Gemeinschaft zu agieren und jede*n Einzelne*n in den Entwicklungsprozess mit einzubeziehen. Um einen Beitrag zur Erreichung der Global Goals zu leisten, hat das Global Goals Lab in diesem Monat die dritte Bewerbungsrunde eröffnet. Vom 14.09. bis zum 31.10.2020 können sich soziale Startups, Vereine und soziale Initiativen mit dem Fokus auf weniger Ungleichheit und gute Arbeitsbedingungen hier bewerben. Ihr möchtet live mitgestalten und erfahren, wie wir unsere Potenziale gemeinsam besser nutzen können, um die globalen Ziele zu erreichen? Dann könnt ihr euch hier für das kommende Zukunftscamp 2020 anmelden.

Wir sind Social Impact.

Wir haben die Vision einer gerechten und zukunftsfähigen Gesellschaft von morgen. Deshalb entwickeln wir Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen wie Klimawandel, Fragen der Migration und Integration, Rechtspopulismus oder Stadt-Land-Gefälle. Unser Blog gibt euch Einblicke in unsere Arbeit, in die Erfolge unserer (Social) Startups und hinter die Kulissen. Er zeigt, was uns wichtig ist. Wirft Fragen auf. Gibt Antworten. Unterhält. Und inspiriert. Viel Spass beim Lesen!