Wir haben die Vision einer gerechten und zukunftsfähigen Gesellschaft von morgen. Deshalb entwickeln wir Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen wie Klimawandel, Fragen der Migration und Integration, Rechtspopulismus oder Stadt-Land-Gefälle. Unser Blog gibt euch Einblicke in unsere Arbeit, in die Erfolge unserer (Social) Startups und hinter die Kulissen. Er zeigt, was uns wichtig ist. Wirft Fragen auf. Gibt Antworten. Unterhält. Und inspiriert. Viel Spaß beim Lesen!
Montag, 05. Mai 2025
Knapp 1.000 zivilgesellschaftliche Organisationen und ehrenamtlich Engagierte haben sich im März zum „TRANSFORM_D Summit 2025“ im Berliner Colosseum versammelt.
Initiiert wurde das Summit von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE). Ihre Mission: Das Stärken von Ehrenamt in Deutschland.
Die Gründung der DSEE selbst ist ein zentrales Ergebnis der Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ und wird von gleich drei Ministerien, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dem Bundesministerium des Innern und für Heimat sowie dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft finanziert. Dabei unterstützt die Stiftung besonders Regionen, die ländlich geprägt oder strukturschwach sind.
Der zweitätige Summit in Berlin war beeindruckend: es gab ein fettes Programm mit tollen Speaker:innen und einen intensiven Austausch bei Workshops und Paneldiskussionen. Also viele Inspirationen und vor allem: Hoffnung!

Mit dieser starken Botschaft eröffnete Katarina Peranić, Vorständin der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt, den transform_D Summit 2025. Das Ziel: Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik zusammenzubringen, um neue Ideen für die Zukunft zu entwickeln, voneinander zu lernen und neue Kooperationen auf den Weg zu bringen.
Gleichzeitig teilte Peranić mit allen die Beobachtung, dass zivilgesellschaftliche Organisationen im Zuge der (unerhörten, Anm. d. Red.) Kleinen Anfrage der CDS/CSU gerade mutloser seien und sich bemühen, nicht zu politisch zu agieren oder bloß nicht anzuecken. Vorauseilender Gehorsam scheint sich breit zu machen – dem wolle man an diesen zwei Tagen und darüber hinaus unbedingt mit Optimismus, Mut und rechtlicher Aufklärung begegnen. Denn, und das unterstrich der voll besetzte Konferenzsaal eindeutig: die einzelnen Teilnehmer:innen hier sind nicht allein im Streben nach sozialer Teilhabe aller und der Verteidigung unserer demokratischer Werte – nein, wir sind wirklich viele!
Der Tag startete mit Bundeslandwirtschaftsminister und DSEE-Stiftungsratsvorsitzendem Cem Özdemir. In seiner Videobotschaft betonte er u.a. „Die Zukunft der Demokratie entscheidet sich in den ländlichen Räumen.“
Es folgten drei hochkarätige Keynotes, den Auftakt machte Micha Fritz, Konzeptionsaktivist und Gründer von Viva con Agua und Goldeimer. Micha Fritz verriet einige Erfolgsgeheimnisse seiner vielfältigen Aktivitäten – Projekte für sauberes Trinkwasser bis hin zu Sanitäranlagen im globalen Süden – und betonte die Wichtigkeit von engagierten Mitstreitenden. Kurz gesagt: Aktionen werden dann zum Erfolg, wenn sie „simpel, sexy und strukturell“ sind. Und vor allem auch: dem Nutzenden selbst einen Mehrwert bieten. Und gerade soziale Projekte dürfen humorvoll und mutig sein. Genutzt werden sollte dafür alles: Umfangreiche Social Media Aktivitäten (auch wenn es nicht jedermann Lieblingsbeschäftigung ist), Musik, Kunst oder auch die bewusste Suche nach Marktnischen.
Anne Kjaer Bathel, selbsternannte „Chaospilotin“ und Gründerin der ReDI School of Digital Integration stellte vor, wie sie ihre Programmierschule für Geflüchtete auf- und ausgebaut hat, welche Hürden es dabei zu nehmen galt und wie ihre Skalierungsstrategie nach dem Prinzip „bring a friend“ Früchte trug. Das beeindruckende Ergebnis der in Berlin lebenden Dänin: Eine Programmierschule, die geflüchtete Menschen weiterbildet und ihnen den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert – mit einem nachweislichen sozialen und auch wirtschaftlichen Gewinn für die Gesellschaft!
Polit-Influencer Fabian Grischkat zeichnete anhand von Daten und Fakten zunächst ein düsteres Bild der aktuellen Weltlage. Lohnt es sich überhaupt noch, sich angesichts multipler Krisen für das Gute einzusetzen? Fabian Grischkat sagt: Ja! Denn Demokratie passiert nicht nur in Parlamenten, sondern auch und vor allem im „Kleinen“, im Sportverein genauso wie im Einsatz gegen den Klimawandel. Sein Tipp: sich nicht in harten Fakten zu verlieren, sondern sich immer wieder von Menschen inspirieren lassen. Und laut sein.
Die anschließenden Panels und Diskussionsrunden boten den Teilnehmenden die Möglichkeit, sich zu den großen Transformationsthemen unserer Zeit auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und sich von guten Beispielen inspirieren zu lassen. Im Fokus standen unter anderem das Zusammenwirken von Wirtschaft und Zivilgesellschaft, die Möglichkeiten und Grenzen der politischen Betätigung von Vereinen und immer wieder die Frage, welche Rolle die Digitalisierung dabei spielt – und wie sie zum Erfolg von Engagierten beitragen kann. Auch kritische Themen wie der Klimawandel, ein erstarkender Antisemitismus und Hass im Netz wurden nicht ausgelassen und gaben den Teilnehmenden die Möglichkeit, gemeinsam Strategien dagegen zu diskutieren.
In der Session AI for good stellten mehrere Initiativen ihre innovative Zusammenarbeit von sozialen Projekten mit Künstlicher Intelligenz vor. LegalWriter wurde z.B. konzipiert, um juristische Themen in einfacher Sprache wiederzugeben oder die sächsische Beratungsstelle für Radikalisierungsprävention KORA arbeitet an einer KI gestützten Plattform, die die Partizipation aller Menschen an demokratischen Prozessen erhöht. Das Deutsche Rettungsrobotik-Zentrum stellte uns vor, wie spezialisierte Drohnen nach Hochwasserkatastrophen den koordinierten Rettungseinsatz planen.
Am zweiten Tag standen der Austausch und die Anliegen der Teilnehmenden im Vordergrund. Erstmals gab es einen Call for participation zum transform_D Summit, bei dem eigene Themen eingebracht werden konnten. 60 Organisationen waren ausgewählt wurden und präsentierten ihre vielfältigen Ideen und Denkanstöße. Immer wiederkehrende Themen: Digitale Tools und Künstliche Intelligenz. Von der Entwicklung von Open-Source-Soft- und Hardware für die Zivilgesellschaft über praktische Anwendungsmöglichkeiten für KI bis hin zum kritischen und verantwortungsvollen Umgang damit.
Doch auch analog gab es besondere Momente: Bei einer Koch-Session von Open Kitchen on the road konnten die Teilnehmenden live vor Ort erleben, wie gemeinsames Kochen Brücken baut, sprachliche Grenzen überwindet und so auf einfache und schöne Weise Teilhabe in einer Gruppe ähnlich Interessierter ermöglicht. Open Kitchen ist ein Teilprojekt von „Give Something Back To Berlin“ – das 2024 den Publikumspreis beim Social Startup Pitch „Teilhabe schaffen“ (Fritz Henkel Stiftung & Social Impact) gewann. „Give Someting Back To Berlin“ sitzt wiederum im Sharehouse Refugio, einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt von Geflüchteten und Berlinern in Berlin-Neukölln, welches schon 2016 vom ANKOMMER Programm (KfW Stiftung & Social Impact) unterstützt wurde.
Intensiv in die Materie eintauchen konnte man auch mit Cordula Weimann, Gründerin von Omas for Future. In ihrem Impulsreferat zu „bedürfnisbasierter Zukunftskommunikation“ zeigte sie Ergebnisse aus der Happiness Forschung. Auf der Krisenebene kommen wir nicht aus der Krise! Nur mit konsequenter Bedürfnisbefriedigung („Erholung vor der Haustür“) gelingen wichtige Transformationsprozesse, nicht mit der Wiederholung reiner Zahlen und Fakten („xy % weniger CO₂) wie sie am Beispiel der aktuellen, beeindruckend schnellen Stadtbegrünung in Paris aufzeigte.
Wir gehen mit vielen Ideen, Inspirationen und Impulsen aus dem transform_D Summit und nehmen Gespräche und Gedanken mit. Unser Dank gilt allen Organisierenden, Mitwirkenden und Teilnehmenden, die dazu beigetragen haben und die die Transformationsprozesse unserer Zivilgesellschaft aktiv mitgestalten!
Text und Bilder: Tina Blum

